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3. Nationale ATZ-Konferenz 2019

22.01.2020

Am 21. November 2019 fand die diesjährige Konferenz der AltersTraumaZentren DGU im Stuttgarter Marienhospital statt, zu der Professor Ulrich Liener, Leiter der Sektion Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und die AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH geladen hatten. Mit über 50 Teilnehmern wurden neue Ziele und wissenschaftliche Weiterentwicklungen diskutiert.

Über die positiven Wirkungen des unfallchirurgisch-geriatrischen Co-Managements (OGCM) in den AltersTraumaZentren DGU (ATZ) und die medikamentöse Osteoporosetherapie berichtete Professor Kilian Rapp, Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. Er konnte zeigen, dass die Mortalität in den ersten sechs Monaten nach Hüftfraktur durch OGCM um über 20 Prozent sinkt. Überdies bekommen Patienten in ATZs deutlich mehr Medikamente gegen Osteoporose verabreicht, als dies in Kliniken ohne OGCM der Fall ist. Im Rahmen eines Nachfolgeprojekts soll ab Frühjahr 2020 mit weiteren Konsortialpartnern das Outcome von über 80-Jährigen mit typisch alterstraumatologischen Frakturen evaluiert werden, wobei die Behandlung im ATZ der herkömmlichen Behandlung gegenübergestellt wird.

Fracture Liaison Service (FLS)

Dr. Carl Neuerburg, Klinikum der Universität München, stellte Literaturergebnisse vor, nach denen Deutschland mit nur 20 Prozent leitliniengerechter Osteoporosetherapie weit hinter Spanien mit 80 Prozent, aber auch noch hinter Italien, Frankreich oder Dänemark liegt. Wie wirkungsvoll dagegen ein etablierter Fracture Liaison Service (FLS) für die Vermeidung erneuter Osteoporose-assoziierter Knochenbrüche ist, zeigen Ergebnisse einer australischen Studie. Hiernach sind nur 20 Patienten über FLS zu betreuen, um einen erneuten Bruch innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren zu verhindern (NNT = 20). Den Beleg, dass FLS auch in Deutschland therapeutisch und ökonomisch sinnvoll ist, soll nun eine aktuell anlaufende Studie des Klinikums der Universität München, unter anderem in Kooperation mit der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH (AUC), liefern. FLS ist ein sektorenübergreifendes Konzept in der Osteoporose-Therapie, das Frakturpatienten an der Schnittstelle von Klinik und niedergelassenem Osteoporose-Spezialisten unterstützt und zurück ins häusliche oder pflegende Umfeld begleitet. Dadurch sollen Folgefrakturen vermieden und die Sterblichkeit verringert werden.

Das AltersTraumaRegister DGU® (ATR) umfasst laut Dr. Christine Höfer, AUC, mittlerweile 17.000 Fälle aus 75 Einrichtungen, wobei allein in 2018 knapp 7.000 Akutfälle eingegeben wurden. Hinsichtlich der Patienteneinwilligung kommt ein kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) eingeholtes Rechtsgutachten zu dem Ergebnis, dass eine Eingabe von Daten Verstorbener in den meisten Bundesländern auch ohne Einwilligung gestattet ist. Die Daten aus dem ATR stehen den berechtigten Kliniken seit 2019 für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung.

Zukunftsperspektiven

Relevant für die Weiterentwicklung von ATZ und ATR ist das Spannungsfeld, welches sich aus der variierenden unfallchirurgisch-geriatrischen Zusammenarbeit und den unterschiedlichen Ressourcen in den einzelnen Zentren einerseits, und der Notwendigkeit von qualitativ hochwertigen Registerdaten für wissenschaftliche Zwecke andererseits ergibt, so Dr. Thomas Friess, Koordinator ATZ / ATR. In einer regen Diskussion, die deutlich die ambitionierte und visionäre Einstellung der Anwesenden zum Konzept ATZ zum Ausdruck brachte, wurde aber auch klar, dass die zeitlichen Limitationen der Kliniker bei der Weiterentwicklung berücksichtigt werden müssen. Auch der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu den künftigen Voraussetzungen für die Versorgung und Abrechnung hüftgelenksnaher Femurfrakturen ist für die ATZ von besonderer Bedeutung. Professor Rüdiger Smektala, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, berichtete über die tags darauf zur Entscheidung stehenden Alternativen.

Vom G-BA liegen nun konkrete Vorgaben zu strukturellen, organisatorischen sowie personellen Voraussetzungen vor, ebenso sind Berichts- und Nachweispflichten sowie Übergangsregelungen von einem und sechs Jahren benannt. Nach einer ersten Bewertung durch die Sektion Alterstraumatologie der DGU besteht für nahezu alle ATZ sowie TraumaZentren DGU® (TZ) ein mittelfristiger Anpassungsbedarf, um weiter an der Versorgung teilzunehmen. Die Sektion Alterstraumatologie arbeitet derzeit in Kooperation mit der AUC Konzepte aus, um ATZ und TZ bei der Erfüllung der Vorgaben zu unterstützen.