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HandTraumaRegister : Noch immer zu häufig Gaben von Antibiose in der Handchirurgie

10.04.2018

Johnson et al haben in ihrer aktuellen Arbeit die Gabe von perioperativer Antibiose in der Handchirurgie untersucht.

 

In der aktuellen Ausgabe des Journal of Hand Surgery publizierten Arbeit haben Johnson et al. die Prävalenz der perioperativen Gabe von Antibiotika an 305.946 Patienten im Zeitraum von 2009 und 2015 untersucht.

Nach wie vor stellen in der elektiven Handchirurgie Infektionen eine Bedrohung dar. Hierbei wird durch die Autoren, eben diese Bedrohung kritisch hinterfragt. Ein Missbrauch der prophylaktischen Antibiose wird durch die Autoren hypothetisiert. Miteingeschlossen wurden folgende operative Eingriffe: Karpaltunnelspaltung, Ringbandspaltung, Spaltung des ersten Strecksehnenfaches bei Tendovaginitis de Quervain und Entfernung von Handgelenksganglien.

Vor dem Eingriff bekamen in der Studie 13,6 % der Patienten eine prophylaktische intravenöse Antibiose mit einer deutlichen Zunahme zwischen 2009 (10,6 %) und 2016 (18,3 %), was einem Anstieg von 72,5 % entspricht. Insbesondere bei der Ringbandspaltung wurde eine Antibiose präoperativ verabreicht (17,5 %). In der Studie war zudem aufgefallen, dass insbesondere junge, männliche und übergewichtige Patienten eine höhere Prävalenz für die Gabe einer präoperativen Antibiose zeigten.

Im Jahr 2015 wurde annähernd jedem fünften Patienten eine prophylaktische Antibiose vor einem sauberen Weichteileingriff an der Hand verabreicht. Trotz der Consensus-Leitlinie keine prophylaktische Antibiose in solchen Eingriffen durchzuführen, ist deren Gebrauch stetig steigend.

Johnson et al. bezogen sich auf US-amerikanische Daten. Es fehlt an Daten aus Europa bzw. Deutschland, wobei auch hier von einer Zunahme auszugehen ist. Die AMWF-Leitlinie zu „Perioperative Antibiotikaprophylaxe“ empfiehlt bei nicht Weichteileingriffen wie z.B. Notfalloperationen, Osteosynthesen, offene Reposition und interne Fixation von Frakturen, Hochrisikooperationen, Operationen an großen Gelenken und bei offenen Frakturen sowie Einbau von Gefäß- und Gelenkimplantaten eine Prophylaxe, ebenso bei patienteneigener Risiken wie schweren Grunderkrankungen, bei Patienten mit hohem ASA-Score, Vorbestrahlung oder Unterkühlung. Bei diesen indizierten Eingriffen sollte eine Antibiose im „Prophylaxefenster“ gegeben werden (entsprechend der Halbwertszeit z. B. bei parenteraler Gabe von Cephalosporinen 30-60 Minuten vor Operationsbeginn). Bei starkem Blutverlust (>1 l) oder länger dauernden Operationen muss in Abhängigkeit von der Halbwertzeit des Antibiotikums eine Folgedosis verabreicht werden. Dies entspricht in etwa der doppelten Halbwertszeit (z. B. bei parenteraler Gabe von Cephalosporinen nach etwa 90-120 Minuten). Ebenso empfiehlt die Leitlinie ein bakterizides, nebenwirkungsarmes und kostengünstiges Antiobiotikum zu verabreichen, welches dem Spektrum der Mikroorganismen im Operationsfeld entspricht [1].

Der o.g. Artikel ist in der Mai 2018 Ausgabe des The Journal of Hand Surgery zu finden.



[1] AWMF Leitlinie 029-022 – Perioperative Antibiotikaprophylaxe